Firmas Press
toolbar.gif (493 bytes)

Creada hace veinte años para servir a la prensa de habla española:
grandes columnistas, artículos de interés general, caricaturas, pasatiempos...

La columna semanal de
Carlos Alberto Montaner

Cam.jpg (6536 bytes)

“Se estima que su columna sindicada es leída por seis millones de personas. Sus opiniones hacen que tiemblen políticos en España y América Latina ... Mantendrá su posición como uno de los más respetados periodistas de la región”.
‘The Powerful 100’, Poder, marzo de 2003.

“His syndicated column is read by an estimated 6 million readers. His opinions make politician in Spain and Latin America tremble … He will maintain his position as one of the region’s most respected journalist”.
‘The Powerful 100’, Poder, March 2003.


buscar2.gif (405 bytes)


buscar.gif (308 bytes)


© Firmas Press. Prohibida la reproduccion de los artículos que aparecen en este medio, sin consentimiento escrito o electrónico de Firmas Press.

 

  513-line.gif (245 bytes)

Der Fanatiker und der Ganove

Morgen wird Fidel Castro 80 Jahre alt. Während er dahinsiecht, wagt sich sein Bruder Raúl aus Angst vor dem
Diktator nicht zu rühren

Von Carlos Alberto Montaner
Die Welt, 2. August 2006

Mit größtem Aufwand hatte Fidel Castro die Feiern zu seinem 80. Geburtstag vorbereitet, die morgen, am 13. August, hätten stattfinden sollen. Offizielle Bekanntmachungen sprachen von "Tausenden internationalen Gästen", die nach Kuba kommen würden. Dieser Sonntag sollte Fidels Apotheose werden, bei der der Held in den Zustand der Göttlichkeit übergeht. Doch Fidel sollte es nicht vergönnt sein, zum Gott zu werden, ihm kamen einige Darmdivertikel dazwischen, mutiert in kleine und sehr gemeine Geschwüre, die so heftige Blutungen auslösten, dass die Ärzte Kubas Staatspräsidenten einer Not-OP unterziehen mussten. Angesichts seines Alters ein sehr risikoreicher Eingriff; doch ihn nicht durchzuführen hätte das sichere Todesurteil bedeutet.

Von diesem Moment an begannen verdächtige Winkelzüge. Unmittelbar nach der Operation übertrug Fidel - selbstverständlich nur "vorübergehend", wie die offizielle Verlautbarung ein halbes Dutzend Male betont - die Macht seinem jüngeren Bruder Raúl. Einem 75-jährigen, whiskeyabhängigen General, der Hahnenkämpfe und schmutzige Witze liebt. Kurz danach bereits ließ Havanna verlautbaren, dass sich der Comandante zügig von dem Eingriff erhole. Zugleich wurde sein Gesundheitszustand als "Staatsgeheimnis" deklariert, um "dem Yankee-Imperialismus keine Vorlage zu bieten". Damit überließ man Fidels Zustand jenen Spekulationen, die Kuba bis in den letzten Winkel heimsuchten. Manche hielten den Comandante bereits für tot. Andere, die der Wirklichkeit wahrscheinlich näher sind, prognostizieren eine extrem langwierige und schmerzhafte Rekonvaleszenz, die ihm die erforderliche physische Kraft zur Rückkehr an die Macht nehmen werde. Die Öffentlichkeit bekam weder Fotos noch offizielle Erklärungen der Ärzte. Man verheimlichte das sehr wahrscheinliche Bild eines wehrlosen alten Mannes, der an Schläuchen hängt und in einem peinlichen Krankenhaus-Pyjama die Marter unerträglicher Bauchschmerzen ertragen muss.

Währenddessen hat Bruder Raúl die totale militärische Kontrolle Kubas inne. Das mag wohl zutreffen - doch besitzt er damit noch lange nicht Fidels Charisma, noch verfügt er über die gleichen Beziehungen zum Apparat. Traditionell trennen die Experten das Militär in Fidelisten und Raúlisten, doch besteht ein weiterer fundamentaler Unterschied: Die Fidelisten fühlen sich dem Máximo Líder total ergeben, was auf die absolute Anerkennung von dessen fast übermenschlicher Führerschaft zurückgeht. Es ist dies Loyalität nicht gegenüber dem Vaterland oder der Revolution oder einer wahnsinnigen, von der Realität widerlegten Ideologie - sondern Loyalität gegenüber einem unverwüstlichen Führer. Eine animalische, rational nicht begründbare Verbindung.

Die Raúlisten hingegen wissen genau, dass der kleine Bruder ein kleiner fehlbarer Mann ist, mit Schuppen und Mundgeruch, ohne weltbewegende Vision der Geschichte und seiner selbst, ohne besondere Attribute. Fidels Castrismo ist Höhepunkt aller Heldenepen. Der Raúlismus dagegen nichts weiter als ein System bürokratischer und ökonomischer Ganovenschaft, das allein der Privilegienerhaltung dient.

Doch sind dies nicht die einzigen Unterschiede. Fidel wusste eine ganz eigene Art der Herrschaft zu errichten, die sich auf seine streitsüchtige Natur und seinen Instinkt für Inszenierung stützt. Während all der Jahre, fast 50 sind es bereits, hat er sich mit der ganzen Welt überworfen und zum Teil wieder versöhnt und jede Auseinandersetzung zu nationalen Kreuzzügen erhoben, die in nicht endenden Paraden kulminierten, bei denen erschöpfte und schwitzende Kubaner paarweise Appelle wiederholen und Fähnchen schwenken durften. Dies ist für Fidel, dessen Intellekt nie über studentisches Geschwätz hinausgekommen ist, die Form des idealen Regierens: Tumulte veranstalten, ohrenbetäubende Proteste und Selbstinszenierung. Während seiner ersten großen Ansprache, unmittelbar nach dem Triumph der Revolution, setzte sich eine weiße Taube anmutig auf seine Schulter, einer göttlichen Segnung gleich.
Ganz anders Raúl. Wortkarg und sehr rational, redet er nur kurz, und falls eine Taube an ihm vorbeiflöge, ließe sie höchstens ihren Kot auf seinen Kopf fallen. Raúl würde auch niemals Argentiniens Ex-Präsident Duhalde einen Stiefellecker nennen oder José María Aznar einen Clown. Raúls Berufung sind Befehl und Effizienz. In den 80er-Jahren verliebte er sich in das chinesische Reformmodell und verordnete in einigen Sektoren die Schaffung von Firmen nach kapitalistischen Kriterien. Fidel aber, der halsstarrige, vom Egalitarismus überzeugte Kollektivist, zwang ihn sehr schnell, diese Flausen aufzugeben. Mit Sicherheit träumt Raúl jetzt davon, eben diese alten Projekte wiederaufzunehmen.

Die Ironie freilich ist, dass heute keiner von beiden regiert. Fidel kann nicht, weil er mittels Sonden ans Krankenbett gefesselt und zum Schweigen verdammt ist, eine schreckliche Qual für jemanden, der an chronischer oraler Inkontinenz leidet. Raúl aber ist genauso unfähig zum Regieren, denn er darf keinerlei Initiative ergreifen, die den Prinzipien seines Bruders zuwiderliefe. Er ist gelähmt, und darum ist kein Wort von ihm zu vernehmen und wagt er auch nicht, öffentlich die Macht zu übernehmen oder gar erste Anweisungen zu geben und sein persönliches Konzept für die Lösung der allgegenwärtigen Konflikte anzuwenden.

Raúl hat keine Angst vor den Reaktionen der Yankees, sondern vor Fidel. Vor dem gnadenlosen und jähzornigen Bruder, der den Jüngeren jede Minute des gemeinsamen Lebens einzuschüchtern versuchte und ihn jetzt durch den Nebel seiner Schmerzmittel hindurch beobachtet. Raúl ist sich bewusst, dass ein falscher Schritt mit der definitiven Versetzung in den Ruhestand oder anderen offenkundig entwürdigenden Maßnahmen bestraft würde, sollte der Comandante die Krise überstehen.

Somit stehen wir nicht vor einer Übergangsregierung, sondern in einer Sackgasse. Raúl bereitet sich auf die Übernahme der Macht vor, doch damit diese vonstatten gehen kann, muss er zunächst vor den Fernsehkameras die Todesnachricht seines Bruders verlesen. Und es gibt überhaupt keine Möglichkeit vorauszusagen, wann dies der Fall sein wird. Raúl ersehnt und fürchtet Fidels Tod zugleich. Er ist in diesen Tagen der traurigste und ängstlichste Mensch auf Kuba.

Der auf Kuba geborene Autor schreibt für zahlreiche internationale Blätter

Artikel erschienen am Sa, 12. August 2006

Imprimir esta página

  dot-clear2.gif (55 bytes)
dot-clear.gif (545 bytes)